Unsere nächste Station nach Montenegro führt uns weiter nach Albanien. Am 16.7.22 erreichen wir den Skutariesee (Shkodrasee) der ca. zur Hälfte noch in Montenegro und die etwas kleinere Hälfte davon in Albanien liegt. An einem sehr modernen Campingplatz machen wir unsere erste Rast. Der See hat ca. eine Fläche des Gardasees und ist somit einer der größten Binnengewässer im Balkangebiet. Überraschend warm, weil seine Wassertiefe bis zu 5 m schwanken kann, scheinbar hat er gerade Tiefststand, somit ist ein “Trockener” ohne Bedenken drinnen – bei Wassertemperaturen von ca. 28 eher 30 Grad… =) juhu!

Angeblich sind die Sonnenuntergänge hier so schön, daher werden David u. Laura zum Fotomachen ausgeschickt, Davids Fotos setzen sich in der Endauswahl dann durch.
“Frechheit” – meine Fotos sind mindestens genauso schön!
“Wie du siehst nicht!”, denn es gibt kein Foto, wo Du mich ordentlich erwischt hast, ha! Normal müsste ich ja viel schöner sein!
Am Handy werden gleich sämtliche Bearbeitungsmodi genutzt… – wo auch immer es die gibt!

Was uns bereits am Campingplatz auffällt, wie freundlich uns die Albaner begegnen. Überall trifft man sehr freundliches Servicepersonal und auch in den Restaurants gibt es immer wieder außerordentlich zuvorkommende und sehr gut “englisch-sprechende” Angestellte.

Nach zwei Tagen an einem – untypisch für Albanien – fast “luxuriösen” Campingplatz, zieht es uns weiter in Richtung Bergstädtchen Kruja ins Landesinnere. Davor gibt es aber noch einen Abstecher zu einer Flusslandschaft nach Prekal mit alter römischen Brücke…
Zugegeben, der Fluss ist hier noch nicht zu sehen, doch vieles entdeckt man hier auf den zweiten Blick.
“Aber unsere Straßen sind gar nicht mehr so schlecht!”, will uns der Esel sagen, “doch halte dich lieber an die km/h-Beschränkungen”. Tatsächlich stehen überall Polizisten und überprüfen diese (auch wenn sie keine Radarpistolen haben). Außerdem dürfte die Geschwindigkeit auch den Straßenverhältnissen und -löchern angepasst sein. Tatsächlich fehlen mancherorts ganze Kanaldeckel links und rechts, aber anstatt eine davon zu schließen, wartet der geduldige Albaner bis er daran vorbeifahren kann. Was heißt hier “gendern” – in den Autos sitzen meist wirklich 1-5 Männer, warum das so ist? Wahrscheinlich genau aus demselben Grund, wenn man abends auf der Straße spaziert, trifft man auch hauptsächlich Männer in den Cafès. Dürfte dann doch sehr viel mit der noch stark religiös ausgerichteten Tradition zu tun haben. So sind mehr als die Hälfte der Albaner Suuniten. Kann aber auch sein, dass die Frauen die Männer abends wegschicken, weil sie zu Hause nur im Weg herum”sitzen”.
Wie oben angedeutet, oft erscheint hier die Überraschung auf den zweiten Blick. Nach einer kurzen Rast in einem Café, wir bestellen dazu “sparkling” water. Der Kellner füllt das Mineralwasser direkt aus dem Gartenschlauch (der aus dem Fluss gespeist wird) in die Plastikflaschen und serviert es frisch zugedreht.

Diesen zweiten Blick wollen wir uns daher näher ansehen, wir fahren zurück zu der bezaubernden Flusslandschaft.
“He du da hinten in der letzten Reihe! Das ist aber nicht dein Ernst jetzt?!” – was meinst du meine modische Schwimmhose oder ob wir da jetzt runterhüpfen – ihr könnt ja auch runterklettern, wenn es euch zu hoch ist…
Sicher nicht – yipieeehhh!
“ade du schöne Welt!” – Scheronimoooooooohhh!”
“Das ist lustig Mama, das musst du auch machen!”
na supaaaaaah!
Scheronimoh!!! Laura kann nicht mehr aufhören =)
“das kann man auch gestreckt machen – ihr Schlappis!”
Ein Stück Holz talwärts =)!
Laura ist frühmorgens unsere Langschläferin und wird meistens zum Frühstück getragen – “nein, ich werde aus dem Schlaf gerissen!”
Je nach Sichtweise =)
Wir verlassen am 19.6. Kruja und fahren Richtung Hauptstadt Tirana bzw. etwas außerhalb davon zu einem Campingplatz an einem kleinen See. Der Weg dorthin zeigt, dass es noch viel Aufholbedarf gibt, wenn man an die Wertstoffe denkt, die achtlos weggeworfen werden, von Mülltrennung ganz zu schweigen… Auch ist zu hoffen, dass die zuvor gezeigte Flusslandschaften nicht verbaut werden, denn zum Stromproduzieren würde sich Albanien mit mehr als 270 Sonnentagen anbieten… “Photowosidäs” gibt es kaum wo zu sehen…
Unser Taxifahrer bringt uns vom Campingplatz in die Innenstadt, er ist eigentlich Polizist und sein Dienst beginnt um 23 Uhr. Untertags verdient er sich mit Taxifahrten etwas zu seinen 450 Euro Gehalt/Monat dazu. Er will nämlich gemeinsam mit seiner Frau (Krankenschwester) ein Haus bauen. Ein kleines Haus kostet derzeit 50.000 Euro. Da die Mietwohnung schon 350 Euro kostet, benötigt man einen zweiten Job, wenn man sich zusätzlich etwas schaffen will… Sehr fleißig denke ich mir, hoffentlich bleibt das so und er verkauft nicht meine Niere um 45.000 Euro bei der Heimfahrt – doch er ist ein fleissiger Taxler und verrechnet 25 geradeaus ohne Niere =). Übrigens erklärt er auch die unglaublich hohe Mercedes-Dichte: “we Albaniens are in love with Mercedes!”
Der an das kommunistische Regime erinnernde Hauptplatz… von hier starten wir unsere erste Besichtigung…

Wer einmal nach Tirana komm, bitte NICHT mit diesem Bunker “Bunkart 2” beginnen, die Stimmung ist danach mindestens 30 Minuten am oder unter dem Boden… Hier wird nicht nur gezeigt, dass unter dem kommunistischen Diktator Enver Hoxha bis in die späten 80iger Jahre über 170.000 Betonbunker landesweit errichtet wurden. Bunkart 2 zeigt auch, wie die Albaner überwacht, abgehört, verhaftet, gefoltert und einfach ausgelöscht wurden… bis zu 10.000 Opfer forderte seine Herrschaft, die erst 1991, also 5 Jahre nach seinem Tod 1985, zu Ende ging. Seine kommunistische Bewegung sympathisierte zunächst mit Titos Partei, dann kam aber der Bruch und die vollständige Abschotung der Grenzen zu Jugoslawien und anderen Ländern. Danach orientierte man sich an Russland. Russland baute Schulen und Universitäten und brachte Industrie-Know How ins Land. Bis dahin konnte ein Großteil der Bevölkerung nicht lesen und schreiben. Doch auch hier kam bald der Bruch und dann orientierte man sich an China. Wobei auch diese Partnerschaft bald in Brüche ging… Nach jedem Bruch suchte man mögliche Kollaborateure in der eigenen Bevölkerung. Viele Eliten/Großgrundbeisitzer, Nicht-Kommunisten, konkurrierende Parteikollegen,… landeten – ähnlich wie bei Stalin in einem der vielen Arbeitslager, aus denen man nur selten lebend rauskam…

Mittlerweile versucht das “moderne” und durchaus offene Tirana einen Mix aus westlichen Glamour zu beschreiten, daneben herrscht allerdings oft noch bittere Armut…
Dennoch gibt es viele schöne Flecken und Cafès zu entdecken…

Katzen auf unserem Campingplatz, bevor es weitergeht in den Süden Albaniens zu Nikos Camping in der Stadt der “Tausend Fenster” von Berat …

Wobei Camping in diesem Fall so aussieht, dass wir im hinteren Teil des Gartens mit zwei anderen Autos stehen – also Gartentür auf, hinters Haus fahren, Tür zu – dennoch gibt es Strom und 1 Dusche/WC. Beim Frühstück, das man dazu wählen kann für 3 Euro/Person wird aufgetischt, was das Herz begehrt und man hoffentlich auch “dabeißt” – zumindest schauts im Bild so aus, als ob ich grad eine Blombe verloren hätte…
Berat mit den tausend Fenstern, “so nach den vielen “Fensterguckern” aber jetzt auf nach Griechenland!!!”
Unsere Route durch Albanien
admin Allgemein

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