Im “zivilisierten” Europa wird der Balkan oder die Balkanhalbinsel (rund um das Balkangebirge) sehr oft als Gebiet gesehen, das immer wieder mit Unruhe, Aufständen, Korruption, Rückständigkeit… in Verbindung gebracht wird. Die Länder wurden aber lange im Spannungsfeld der österreichisch-ungarischen Monarchie, Russland und vom osmanischen Reich fremdbeherrscht. Daher konnte keiner der Herrscher mit Loyalität der Einwohner rechnen.

Im eigentlichen Kerngebiet (Bosnien, Montenegro, Bulgarien, Serbien, Albanien, Mazedonien…) ist man aber über den Begriff Balkan durchaus stolz, da sich hier seit dem Krieg gewisse Identitäten entwickeln konnten.

Unsere Vorurteile aus dem Geschichtsunterricht überwindend fahren wir nach Dubrovnik weiter nach Montenegro in die Bucht von Kotor. Unser Stellplatz liegt auf der anderen Seite der Bucht, zu der wir mit einer Autofähre übersetzen. Vor uns rollt ein belgischer Bus in die nach Einbahn wirkende Straße, also kann es für unser Wohnmobil mit 3,2 m Höhe ja auch nicht schlimm werden. Nach 200 m der erste Gegenverkehr, also keine Einbahn. Der verzweifelte Busfahrer versucht an jeder Ecke ein Plätzchen zu finden um weiter zu kommen. Die Autofahrer nehmen es gelassen und machen wo es geht Platz oder schieben zurück. Hupsignale dienen hier mehr der Kommunikation, denn des persönlichen Affronts (reden wir uns ein) und schaffen es dann endlich zum Stellplatz, wo uns ein sehr netter Stellplatzbetreiber einen Platz direkt am Meer zuweist.

Montenegro, Bosnien-Herzegowina, Albanien und Mazedonien zählen zu den ärmsten Länder Europas. Das BIP pro Kopf liegt um die 5.000 Euro. Im Vergleich dazu hat Österreich ein BIP pro Kopf von 45.000 Euro. Wahrscheinlich mit ein Grund, dass hier jeder sehr bemüht um die Touristen ist, denn die Arbeitslosigkeit ist im Schnitt doppelt so hoch wie in der EU. Dennoch ist das Zahlungsmittel Euro, obwohl das Land noch nicht in der EU ist….
Der kleine Betonanlegeplatz ist unser Meerzugang und sorgt für die verdiente Abkühlung. Am nächsten Tag wollen wir das gegenüberliegende Perast. Da uns die Überfahrt mit dem SUP zu riskant, wegen der vielen Kreuzfahrer auf ihren Schiffen erscheint, entscheiden wir uns für das Fahrrad und nehmen den 22 km langen Umweg über Kotor in Kauf.
ich hab Hunger, wie weit ist es noch – “nimma weit” da vorn ist schon Perast…
Ein Ort wie er auf einer Postkarte sein könnte…
So und jetzt noch kurzes mentales Training, gleich sind wir wieder daheim, zuvor gehts noch nach…
Eine schöne Altstadt, die wir bei heißen 35 Grad oder mehr besichtigen bevor es zurück geht….
Unser Ziel ist der Nationalpark auf 1500 m Seehöhe, die Anfahrt dorthin war etwas abenteuerlich, da der Autor dieser Zeilen zunächst seinem Navi nicht vertraut hatte und daher einen Umweg in Kauf nahm, der nachher – als er dann dem Navi vertraute – in einer Auffahrt auf einer rumpeligen Straße mündete, über die man normalerweise nicht berichtet, sofern man sein Wohnmobil jemals wieder verkaufen möchte…
Seelandschaft auf dem Weg zum Durmitor Nationalpark. Mit 660.000 Einwohnern ist Montenegro das bevölkerungsärmste Land. Im Hinterland trifft man tatsächlich stundenlang auf keine Ortschaften.
… aber irgendwann kamen wir nach 3 Stunden dann auf einem sehr netten Stellplatz an, wo wir auch abends “zündeln” durften und unsere deutschen Nachbarn jedesmal (selbstbewusst wie wir sind) mit Rauchschwaden versorgten – schließlich sollen etwaige Hustenattacken auch ihren Grund haben…

Bitte Papa, dürfen wir wieder Wandern und etwas biken, schließlich sind wir hier nicht auf Urlaub, sondern wollen was sehen – na gut, wenn ihr schon so lieb fragt, dann sehen wir uns gleich den “Schwarzen See” an, der ist net weit weg…
Ideal zum Abkkühlen, auch nicht kälter als der “lago di garda” =)

Na gut ich seh schon, da geht noch was am nächsten Tag am besten mit dem Bike rauf nach Curevac… Kann sein, dass es da mal steiler wird…

Pfuha, ist das ernst jetzt? Is net weit …. glaub ich…
ihr macht des super!
Der Durmitor Nationalpark liegt auf einer Hochebene, die zigmal größer als Ramsau oder Seefeld ist umgeben von einer traumhaften Bergkulisse und hat mit der Tara-Schlucht die angeblich tiefste Schlucht Europas mit 1300 m. Aber das sagen wohl viele =)
Es ist immer lustig und gute Stimmung, was heisst das Foto hier ist gestellt?
Schilifte gibt es hier auch einige wenige, angeblich kostet die Tageskarte € 10,- – aber im obigen stillgelegten Lift ist da die Versicherungsprämie wohl schon inkludiert…
Curevac und Aussicht auf die tiefe Tara-Schlucht – ein paar hundert Meter tiefer als das Höllental – sehr beeindruckend, Rafting und Canyoning ist hier überall zu buchen
Abstecher zurück zum Schlangensee – aber ohne Schlangen
Am 11.7.22 nach zwei Nächten geht es weiter in Richtung Albanien…
Knapp vor der albanischen Grenze überqueren wir einen scheinbar ausgetrockneten Fluß, wo das Wasser in einer Art Erdbruch rinnt…
Unsere Route durch Montenegro =)
admin Allgemein

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