Wichtig bei jedem Campingurlaub ist, dass man einen Plan hat und man genau weiß, warum man eigentlich irgendwohin will. So geschehen am 9.6.21, als wir das Ebro Delta in Richtung Valencia verlassen.

Unterwegs entdeckt Sabine als Beifahrerin dann in ihrem Buch “100 + 1 schönste Plätze Spaniens” von einem, was eigentlich? Naja so genau kann man das nicht sagen, sieht nach Fluss aus, jedenfalls sehr schön, also biegen wir ab, stellen das Navi um und verlassen die potthässlich mit Apartmentburgen verbaute Küstenstraße vor Valencia in Richtung Landesinnere nach Montanejos.

Innerhalb kurzer Zeit sind wir schon im kurvenreichen waldigen Landesinneren und suchen unseren Stellplatz. Irgendwo in einer kleinen Waldstraße finden wir den Platz, wo wir frei stehen wollen. Die Kinder, die nach 5 Stunden Fahrzeit noch ihre Hörstöpsel im Ohr haben (Danke Jürgen für die Hörbuch-Dateien) und ihre Jausenboxen nachverdauen, fragen völlig unaufgeregt: “Und was machen wir hier?” “Gute Frage, mal schauen!”, ist die automatisierte Antwort. Irgendwo gibt es hier einen Fluss bzw. Thermalquellen, wie wir an der Ortseinfahrt erfahren haben… wie gesagt, sorgfältige Planung ist die halbe Miete. =)

Doch schließlich finden wir am Fluss die Stelle mit den warmen Quellen Namen Fuente de los Baños. (25 Grad Wassertemperatur)
Materialmäßig kann uns wirklich keine Planungsunsicherheit vorgeworfen werden, los in die Fluten…
Auch Marea unser Nachbarshund, ein spanischer Wasserpudel, ist vor Ort
“Und was machen wir heute?” Immer die gleiche Frage nach dem Frühstück
Naja, wandern könnten wir gehen – unsere Komoot App schlägt die Schwarze Höhle (cueva negra) als Ziel vor.
Nach 2 Tagen verlassen wir das schöne Montanejos und fahren Richtung Cabo de Gata. Wir haben (endlich) einen exakten Plan, der soll ja, ganz wichtig in einem Campingurlaub, eingehalten werden. Plötzlich taucht wie aus dem Nichts die Tafel Richtung Madrid – 340 km – auf. Das sind ca. 3 1/2 Stunden, was ist, da könnten wir auch kurz hin, wollen wir das?
Damit wir jetzt nicht planlos erscheinen – vor 20 Jahren haben wir dort nämlich schon ein halbes Jahr verbracht und uns auch verlobt. Madrid (finden auch die KInder) ist einen Abstecher wert, sie wollen sehen, was uns dort so gut gefallen hat. Wie zB. der Stier, der überall in Autobahnnähe zu sehen ist. Der Stier ist übrigens ein Überbleibsel des Brandyherstellers Osborne, der damit spanienweit Werbung gemacht hat. Mittlerweile steht er als Symbol für das “wilde” Spanien und die Touristen und wir, lieben ihn. Im Gegensatz zu den Katalanen. Für sie stellt der Stier das zentrale Spanien dar.
Puerta del Sol mit dem Bären – dem Wappentier von Madrid. Vor dem Rathaus markiert eine Plakette den Nullpunkt Spaniens, von wo aus die Entfernungen zu anderen spanischen Städten gemessen werden.
Natürlich gibt es in Madrid einiges zu sehen, wie zB.
so wo gehts jetzt hin?
Zufällig (das ist nicht planlos, sowas muss auf einem zukommen) entdecken wir, dass eine Flamencobar offen hat. Wir alle sind begeistert und beeindruckt…
ob auf der Gitarre (Papa, der spielt fast so gut wie du!) oder Tanz …
und großen Stimmen!
Königspalast (palacio real). Die Monarchie hat in Spanien schon bessere Zeiten erlebt. Franco wollte nach seinem Ableben den jungen Bourbonenprinzen Juan Carlos als diktatorischen Monarchen einsetzen und baute diesen schon in jungen Jahren in Militärschulen, Unis etc. auf. Dennoch gelang es Juan Carlos Spanien in eine parlamentarische Monarchie überzuführen. Erst nachdem er einen Putschversuch 1981vereitelte sank die bis dato vorherrschende Skepsis der Spanier gegenüber ihrem König. Danach genoss er viel Sympathie vor allem von den Medien. Er war durch eine arrangierte Ehe mit Sophia von Griechenland verheiratet, ihre Ehe gilt allerdings als angespannt, denn Juan Carlos hatte scheinbar immer auch andere Lebenspartnerinnen. Er tankte aber bereits 2014 ab und übergab seine Regentschaft an seinen Sohn Felipe. Davor machte mitten in der Finanzkrise durch eine Elefantenjagd Negativschlagzeilen im schwer krisengeschüttelten Land. Unlängst musste Juan Carlos aufgrund eines Geldwäsche-Skandals, in den er involviert war, sogar 2020 fluchtartig das Land verlassen um vor der Justiz zu flüchten. Die letzten 10 Jahre abgesehen, ist es ihm dennoch anzurechnen, dass er in kurzer Zeit Spanien von einer Diktatur in eine Demokratie überführte.
So und wer ist der Herr da? Nicht Don Biskotte oder Kiskotte den nennen sie Don Qujote von la Mancha, den bzw. seine Windmühlen wollen wir nach Madrid besuchen.
Die Windräder wurden teils restauriert, teils aber aus touristischen Gründen erbaut. In einer (namens “el Gigante” – also der Riese) wurde aber die damalige Technik nachgebaut. Hier steht auch eine Windmühle mit dem Namen des österreichischen Schriftstellers Franz Grillparzer.
so wurde die “vertikale” Windkraft in eine “horizontale” Kraft für den Mühlstein umgewandelt
“Du Papa, du weißt aber schon, dass die Windräder aber nicht hier sondern in China erfunden wurden und man den Erfinder nicht kennt!”

Aber wie schon Don Quijotes vergeblicher Kampf gegen die Windmühlen, so vergebens ist es auf einer Reise den e i n e n Plan zu haben. Ist nicht ein Plan auch nur einfach eine Illusion?

admin Allgemein

One Comment

  1. Don Qujote, Illusionsmuseum und schöne Windmühlen – ich sehe bei euch immer wieder neue Attraktionen in Spanien.
    Das Museum schaue ich mir auch an, wenn ich wieder nach Madrid komme.

    LG Ernst

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