Spanien ist – wider Erwarten – ein sehr “campingfreundliches” Land. Noch vor 2 Jahren war uns dies noch nicht so bewusst, weil wir damals meist auf Campingplätzen nächtigten und auch noch nicht über Apps wie “Park4night” verfügten. Mittlerweile fürchten wir (speziell ich, also “Fürchti”) uns auch nicht mehr beim Campen im Freien – sozusagen in der Wildnis. Aber zugegeben, ich verriegle dennoch jede Türe zweimal, meinen im Herbst montierten Zusatzschlössern um 168 Euro, sei Dank.

Man findet hier viele schöne Plätze zum Nächtigen, so wie in Penedès, wo ein Cava-Weingut (also Sekt) 5 Stellplätze samt Strom und Wasser gratis zur Verfügung stellt. Klarerweise, besucht man dabei die dazu gehörige Bodega und kauft die eine oder andere Flasche.

Kunst am Weingut, gleich neben dem Stellplatz…
In Österreich erlangte, im Zuge der Stilllegung der Textilindustrie, Marienthal und die tristen Folgen für die Arbeiterschaft durch die “Marienthal-Studie” internationale Bekanntheit. In dieser empirischen Studie wurde gezeigt, welche negativen Folgen Arbeitslosigkeit für das Zusammenleben eines ganzen Ortes hat. Nicht weniger interessant ist die Colonia Güell in der Nähe Barcelonas. Güell, ein Textilfabrikant ließ hier für seine ArbeiterInnen eine Arbeitersiedlung inklusive Fabrik von berühmten Architekten der damaligen Zeit errichten. Man darf jetzt nur einmal raten, welcher Architekt hier wohl auch dabei war?
Es wurden von den Architekten Anfang 1900 großzügige Häuser zw. 60-140 m² gebaut, die den Arbeitern nach Stilllegung der Fabrik (1973) zum Kauf (Finanzierung inklusive) angeboten. Es gab damals Kindergrippen, Musik-/Tank-/Kultur- und Sportvereine. Alle Häuser wurden von Archtiekten und Top-Handwerkern gebaut.
Natürlich steckte hinter diesen Sozialen Bauten auch die Erfahrung, dass Industrie nur mit dem Wohlwollen der Arbeiterschaft langfristig Bestand hat. So wollte Güell soziale Unruhen oder Streiks wie anderswo oft üblich, tunlichst vermeiden und ließ sich dies auch einiges kosten.
“Mah ist des schiach – wirst still sein, das ist vom Gaudí, wenn dich Mama hört!!!” – Richtig geraten, Gaudí war hier auch am Werk.
Gaudí wurde beauftragt eine Kapelle für die Arbeiterschaft zu bauen. Diese war ursprünglich zweistöckig geplant.
Sie wurde zwar nur einstöckig, denn bald war das Budgetlimit erreicht, dennoch kann sich das Innere sehen lassen.
Mittels schiefen Säulen wurde die Decke gestützt. Damit erreichte er die Statikvorgaben und konnte die Säulen auch noch weniger stark dimensionieren.
Bild Laura: Natur als Vorbild wie hier bei der Weihwasser Schüssel.
Spiel mit dem Licht durch große bunte Fenster lässt das Innere einzigartig wirken.
Weiter geht es mit kurzem Abstecher zum Meer, wo – wie immer gebaut wird – bei den vielen Vorbildern hier, und a Gaudi hat man im Sand auch immer!
Wir fuhren weiter zu den Cuevas de Benifallet, wo wir uns Höhlen mit vielfältigen, teils einzigartigen Formen besuchen.
100 Jahre benötigen die Stalaktiten um hier einen cm zu wachsen und sich irgenwann mal mit dem Stalagmiten darunter zu einer Säule zu verbinden.
Im Saal der Musik gab uns unsere Führerin an den hohlen Stalaktiten ein Musikständchen, indem sie mit ihren Finger Töne aus den Steinen zauberte.
Wirklich schön wird campen dann, wenn man ohne App, wie hier im Anschluss an die Höhlenführung, einen traumhaften Nächtigungsplatz in der freien Natur findet.
Nächsten morgen geht es weiter und wir versorgen uns noch mit Bio-Pfirsichen bei einem umso rustikaleren Bauernhof. “Wo sind denn hier Pfirsiche, ich sehe ja nur ‘Minkerl’ (Fruchtfliegen)
Unser Buch “101 schönste Plätze von Spanien” führt uns weiter ins Dorf Miravet. Könnte auch eine Ort in der Wachau sein, wunderschön…
thront die Templerburg ins Tal
Thront? Was heißt das? Dass wir rauf spazieren =) JUCHU!

Schon als wir 2001 in Madrid lebten, gab es immer wieder Demonstrationen wegen Wassernot. Jetzt kommen wir endlich zu dem Platz, worüber so lange gestritten wurde. Im Elbro Delta, der Elbro ist mit 930 km der zweitlängste Fluss Spaniens nach dem Tajo und entspringt im Kantabrischen Gebirge im Norden. Das Problem, dass die Bewohner im Ebro Delta haben ist, dass sie für ihren Reisanbau Unmengen von Wasser aus dem Ebro brauchen. Da Wasser in Spanien generell knapp ist, wollen viele das Wasser entlang des Ebro “abzweigen”. Dadurch kommt weniger Wasser in Richtung Meer und letzteres “überspült” den Ebro mit Salzwasser. Dh. es rinnt leichteres Salzwasser über das Süßwasser des Ebros. Verschärft wurde das Problem durch den Bau von Staudämmen, die verhindern, dass Sedimente ins Delta gespült werden. Dieser “Schlamm” wurde früher auf die Felder aufgebracht. Durch das Fehlen der Sedimente holt sich das Meer immer mehr Land und viele Bewohner fürchten, dass ihr Delta schön langsam (auch ohne Klimakrise) im Meer versinkt…

Reisfelder wohin man blickt, überall stehen die Reisplanzen im tiefen Wasser und die vielen Vögel freuen sich über das viele Nass. Ein Naturschutzgebiet im Delta und die vielen Reisfelder sind somit ein Tummelgelände für viele Vögel, die das Wasser lieben. Doch die Reisbauern scheinen die Vögel weniger zu lieben und automatische Gasschießanlagen geben ohrenbetäubende Schüsse ab und versuchen Enten, Flamingos und anderes Federvieh von ihren Reispflanzen fernzuhalten. Anfangs unserer Radtour, wir sehen sogar Schrotpatronen am Schotterweg liegen, ducken wir uns gekonnt auf unserem Fahrrad, man kann ja nicht wissen, ob vielleicht nicht doch “scharf” geschossen wird. Zwar sind wir dann beruhigt, dass dies nur Gasgeschütze sind, aber wir wissen ja zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass auch in der Nacht fröhlich weiter geschossen wird. Juchu!
Reistraktoren sehen anders aus und haben dünne Reifen aus Stahl. Gespritzt bzw. Kunstdünger gestreut wird aber auch hier, was in unmittelbarer Meeresnähe nicht “optimal” auf uns wirkt.
Brum brum
Doch dann, sehen wir sie endlich…
unsere Kamera aber sieht sie nicht so wirklich
mit Marios Kamera am nächsten Tag geht es besser
Flamingo in Startphase mit noch nicht eingefahrenem Fahrwerk
Im Ebro Delta besuchen wir auch Jordi und Tere, die wir eine Woche zuvor auf der Reise im Norden kennengelernt haben. Sie gaben uns viele Tipps unter anderem die einzig und ….
…wirklich gute Paella – natürlich marisma – mit dem hier angebauten Reis zu essen.
War wirklich nicht zu viele versprochen, war sehr gut, auch wenn uns der Vergleich mit der valenzianischen Paella noch fehlt…
Zum Abschluss noch raus auf den Strand, wo sich auch die Kiter im Flachwasser tummeln
Auch wenn es inflationär klingt, “schön wars” =). Weiter geht es in Richtung Valencia.
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