Nach einer kurzen Zeit zu Hause geht es das letzte Mal in diesem “sabbatical” mit dem Wohnmobil in Richtung Spanien und Portugal. Diese Länder hatten wir ja, wie alle anderen Reisen auch, nicht auf dem Programm, aber dennoch nehmen wir es in diesem verrückten Jahr “dankbar” an. Für die Fahrt nach Spanien durchqueren wir Italien und Südfrankreich. Am Montag 24.5.21 wird um 9 Uhr früh noch für alle vier ein PCR-Test in einem Neunkirchner Labor gemacht, der uns dann, 72 Stunden gültig, bis ins Landesinnere nach Spanien bringen soll. Daher “pressen” wir mit 110 km/h durch und erreichen Mittwoch 25.5. mittags die spanische Grenze. Letztlich wollten aber nur die Franzosen unsere Tests sehen.

Erster Stellplatz in Italien 1 Stunde nördlich von Genua
„Ich werde für immer leben. Die Genies sterben nicht.“, meinte einst Salvador Dali, katalanischer Künstler und Bescheidenheit war nicht sein Steckenpferd. Dafür aber Cadaqués, jenes weiße Fischerdorf im Nordosten Spaniens, das durch seine Abgeschiedenheit und Lage besticht und unser erstes Ziel in Spanien ist.
Lauras Foto – mit Fotoapparat von Oma und Opa
Cadaqués hat nur wenige Parkmöglichkeiten, daher fahren wir mit dem Fahrrad in den abgelegenen Ort.
Wir parken im Nachbarort von Cadaqués, wo man sein Wochenendhaus in Form des Dali Mesums besuchen kann und dürfen dort auch nächtigen. Mit den Stellplätzen haben wir bisher richtig “Schwein” gehabt und…
…tatsächlich läuft uns auch eine Wildschweinherde, zwei Bachen samt Frischlinge über den Weg.
ein Frischling, dem das Fell juckt
Dalis Inspiration war das “Cap de Creus”, mittlerweile ein Naturschutzgebiet mit toller Küstenlandschaft, ob er auch mit dem Fahrrad dorthin fuhr, wissen wir nicht. Sehenswert ist es mit dem Fahrrad allemal…
Die Katalanen neben uns sind begeistert und planen schon die Pensionsfeier hier zu machen. “Eh schön hier, aber naja, die Küsten auf Madeira oder auf den Azoren sind aber noch schöner!”, meint David zu den malerischen Ausläufern der Pyrenäen.

Apropos Naturschutz, schon auf den Azoren machte ich Hör-Bekanntschaft mit einem seltsamen Vogel. Wenn man nämlich spätabends allein in der Küche sitzt und am Laptop Reiseberichte verfasst, dann hört sich folgender Gesang sehr befremdlich fast beängstigend an. Man würde dahinter jedenfalls keinen Vogel vermuten, außer einen, der sich gerade für eine Donald Duck Rolle vorbereitet:

Stimme eines Gelbschnabeltauchers (Cagarro), der erst nachts bei seiner Rückkehr vom Meer an Land kommt und dort unter “quäkenden” Gesang sein Nester aufsucht..

Der Wiedehopf (Zugvogel, der auch in Ö vorkommt) hat sich nachts an der Costa brava vorgestellt. Er hört sich an, als ob beim benachbarten Wohnmobil die Alarmanlage an ist und keiner dreht das Ding ab! Endlose Stunden ohne Schlaf!!!

Katalonien, das ca. 7,5 Mio Einwohner zählt und etwas weniger als die Hälfte der Fläche von Österreich ausmacht, ist ein schönes, abwechslungs- und geschichtsträchtiges Land. Die Katalanan waren durch den Hafen rund um Barcelona schon immer als Händler tätig. Entsprechend stolz sind sie auf ihre Nation mit eigener Sprache (katlanisch ist romanischen Ursprungs und eine Mischung aus Spanisch und Französisch) aber leider ohne Nation. Diese Staatenlosigkeit führte ja erst unlängst im Jahre 2018 zu einer Verstimmung mit Spanien, da sich das autonom regierte Katalanien von Spanien lossagen wollte. Daraufhin griff die Zentralregierung in Madrid ein, setzte die Regierung in Barcelona ab und einige Politiker wie Ministerpräsident Puigdemont flüchteten ins Ausland und viele weitere wurden verhaftet. Schon mehrmals in der Geschichte haben die Katalanen versucht eine Unabhängikeit zu erreichen, bisher immer ohne Erfolg. Meistens lag es auch am falschen Bündnispartner, so auch im 17. Jhdt., wo sie an der Seite von Österreich gegen Frankreich/Spanien unterlagen. Danach fiel der Norden der Pyränen an Frankreich (Nordkatalonien) und der südliche Teil (das jetzige Katalonien) fiel an Spanien. Diese Trennung herrscht bis heute vor. Unter Franco wurden sie von dessen Militärregime 40 Jahre unterdrückt, das Katalanisch wurde verboten, nur Spanisch (castellano) war erlaubt und selbst katalanische Vornamen waren verboten. So heisst zB. Opernstar José Carreras auf Katalanisch Josep und statt Paul sagt man Pau usw. Nach Francos Tod haben die Repressalien nachgelassen, die damaligen Verantwortlichen haben aber die Politik bzw. die Guardia Civil noch lange weiter geprägt… Daher ist es auch verständlich, das Vorbehalte gegen das korrupte Madrid und dem Königshaus vorhanden sind, nicht zuletzt weil knapp 20 % der Steuer-Zahlungen (ebenso aus dem reichen Baskenland) nach Madrid fließen.

Überall sieht man in Katalonien die Flaggen und gelben Schleifen, die die Autonomiebewegung ausdrücken. Wie hier in der mittelalterlichen Stadt Besalú, bei Girona.
Don Qujote und Sancho Panza samt Esel Rucio
Kunstprojekt in Besalú
Nach Besalú geht es landeinwärts weiter zu einem kleinen Kloster “Santa Maria de Montgrony” in den Bergen. Das Kloster ist direkt in den Fels der Vorpyrenäen gebaut.
Etwas weiter oben findet man die romanische Kirche Sant Pere aus dem 9. Jhdt.
Foto David: Schön hier oben, meint auch Fredl
Mittelalterliche Brücke in Sant Joan de los Abadesses, wo wir eine weitere Nacht verbrachten.
Davids Foto – mit Fotoapparat von Oma und Opa
Während in Katalonien der Stierkampf sehr verpönt ist, die Stieraufkleber sind auch ein Zeichen der zentralistischen Regierung, hat sich hier ein Esel als Aufkleber als Gegenstück beliebt gemacht. Angeblich ist er auch öfters auf Autos zu sehen.
Fotomotiv am See von Banyoles auf unserem Weg nach Girona
Viele Gassen (wie hier in Girona) wie auch öffentliche Gebäude werden von gelben Schleifen und katalanischen Flaggen, sehr zum Leidwesen der Madrider Regierung, geschmückt. Die Bevölkerung reagiert unterschiedlich, viele sind dafür, einige skeptisch, da sie Nachteile befürchten. Im Falle einer Loslösung wäre Katalonien nicht mehr Teil der EU und einige Konzerne würden abwandern. Einige von ihnen haben ihre Zentralen schon nach Madrid verlegt.
Gironas Innenstadt
Davids Foto
“So jetzt sind mal Tapas angesagt, was meinst du Mama?” Das braucht man einer Spanischlehrerin nicht zweimal sagen. Drei Lokale sind es schließlich geworden mit Köstlichkeiten wie Oliven, Käse, gebratene Erdäpfel, Tomatenbrot, Tortillas oder Pinchos (kreativ belegte Brötchen mit Zahnstocher pro Brötchen, bei der die übrig gebliebenen Zahnstocher verrechnet werden – typisch baskisches Essen)
Unser Ziel am nächsten Morgen ist die Kathedrale. Mit dem zweitgrößten Kirchenschiff der Welt nach dem Petersdom. Die hohe Treppe lässt die Kathedrale noch imposanter erscheinen und war auch Drehort für Games of Thrones.
Davids Foto: schlichtes Inneres der Kathedrale
Bei Games of Thrones wurde diese Häuserzeile gegen einen riesigen Platz per Computerprogramm ausgetauscht mit Blick aufs Meer im Hintergrund.
Insgesamt ist Girona einen Besuch wert.
admin Allgemein

2 Replies

  1. Oh du armer, schlafloser Redakteur… Für mich sind eure Berichte die schönste Bettlektüre 😍
    Viel Spaß auf eurer Reise über die iberischen Halbinsel!!

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