Auf den Azoren muss man am 6. und 12. Tag nach Ankunft einen weiteren PCR Test absolvieren. Im Urlaubsmodus fahren wir daher reichlich spät zur Teststraße um beim Anblick der Warteschlange festzustellen: “das wird jetzt wohl eng für unsere Fähre zur Insel Pico”. Eine Frau am Parkplatz, auch sie war wohl gestresst vom langen Warten (wobei die Einwohner hier auf den Azoren tiefenentspannt wirken) hat sich beim Ausparken ausgetobt, was die Stoßstange unseres Leihautos zu spüren bekam.

Letzlich haben wir es aber doch noch zur Fähre geschafft. 20 Minuten Überfahrt nach Pico, die Wellen waren hier noch erträglich hoch, auch wenn es nicht so aussah.
Unser Steinhäuschen aus Lavastein mit dem höchsten Berg Portugals im Hintergrund, dem Pico mit 2.351 m. Steinhäuschen? “Klingt kalt und feucht” – war es auch! Aber trotzdem fühlen wir uns hier wohl, dem Elektroheizkörper sei Dank!
“Was machen wir morgen im Sinne von Welterobern?” WELTEROBERN ist nämlich die Standardantwort, wenn wir gerade nicht wissen, was wir so vorhaben…
“Naja, dann fahren wir mal schnell, Wetter ist nur mehr heute schön, rauf Richtung Pico”. Der Berg Pico heißt genauso wie die Insel. Übrigens ist der Straßenverkehr auf der Insel hier sehr sehr ruhig, die Straßen sind fast leer. Das liegt sicher an den wenigen 14.000 Einwohnern, die hier auf der zweitgrößten Azoreninsel wohnen, aber vielmehr an den fehlenden Touristen. Fast schon Zustände wie auf Österreichs Pisten diesen Winter – “nix los da!”. Uns soll es recht sein, der Tourismus leidet leider entsprechend darunter.
traumhafte Hochebene und Blick auf den Pico – den wir nicht besteigen konnten, da ab nächsten Tag das Wetter umschlägt
nicht viel später – der Berg schon eingenebelt
Lagunas, also Berg-/Kraterseen am Fuße des Pico
Der zweite Tag am 20.4. auf der Insel Pico bringt uns an die Küste nach Santa Luzia
Windräder, die jetzt nur mehr als Fotomotiv dienen, zeugen von früher, als damit noch Mehl gemahlen wurde.
Kirche von Santa Luzia
mit für Pico typischen Küstenwanderweg, mit erloschenem Vulkangestein
natürliche Kunstkulisse
Man sieht förmlich, wie die Lava erstarrt ist.
“Was ist denn das für ein Saftladen hier, wann gibt es endlich zu essen Mami?” – “Schmatz!”
Das Leben für die ersten Einwohner muss unbeschreiblich hart gewesen sein. Die ganze Insel besteht nämlich einzig aus Basalt. Basalt ist aufgrund der vulkanischen Aktivitäten, das am weitverbreitetste Gestein der Erde, wenn man den Ozeanboden mit einrechnet. Da die Insel Pico mit knapp 300.000 Jahren auch die jüngste Vulkaninsel ist, ist auch kaum Erde sondern fast nur Stein vorhanden. Daher wurden für die Landwirtschaft (Getreide-/Weinanbau) der Steinboden aufgebrochen und in Form von Schutzmauern (als Windschutz) bzw. Wärmemauern (als Wärmespeicher) aufgereiht. Jede Grube, ob für Häuser oder Brunnen musste damals händisch aufgestemmt werden. Es gibt hier noch alte Brunnen in Meeresnähe, die das angeschwemmte Salzwasser durch das Gestein drücken und filtrieren und somit mit Süßwasser befüllen. Kein Wunder also, dass viele junge Einwohner Ende des 18. Jhdts, als amerikanische Walfänger auftauchten, raus schwammen und darum baten: “nehmt uns mit!”.
Weinpflanzen wurden in Felsspalten gesetzt und diese haben tatsächlich zu wachsen begonnen, Landwirtschaft “extrem”. Die Reblaus hat aber den Weinanbau fast wieder zum Erliegen gebracht… Dank Fördergelder der EU, wird hier langsam wieder der Weinbau revitalsiert… Weißwein wächst hier zwischen den Steinmauern und bleibt sehr niedrig, für guten Rotwein gibt es zu wenige Sonnentage – wie wir uns später bei einer Weinverkostung überzeugen können =).
“OK, ihr habt es so gewollt, dann gehen wir jetzt mal die Unterwelt erobern!” Am dritten Tag besuchen wir – es ist mittlerweile regnerisch auf den Azoren – die Vulkangrotte “Grutta das Torras”, die fast 5 km unter den Berg führt. 400 m davon kann man mit Taschenlampe “naturnah” mit Guide besichtigen.
Da die Insel noch sehr jung ist, gibt es noch viele (über 130!) Vulkangrotten, viele sind noch unerforscht. Der Eingang trat zu Tage, indem die Oberfläche 15 m tief einbrach. Angeblich sind Traktoren die Feinde solcher unterirdischen Tunnel. “Juchu”, denkt sich Fürchti, “hoffentlich sind jetzt alle Traktoren schön zu Hause!”
Stalaktiten, aber nicht gewachsen sondern erstarrt, hängen von der Decke
Bakterien und Insekten, die es nur hier gibt, bevölkern die Höhle und zeigen, dass das Leben auch ohne Menschen wohl weitergehen würde!
Der Weg auf dem wir gehen, ist ausgetrocknete Lava. Diese grob erstarrte Lava nennt man AA-Lava oder Biskuit. Die Gänge waren Lavaflüsse, die Richtung Meer unterwegs waren.
“mühsam ernährt sich das Eichhörnchen” zwar nur Stein, dennoch wachsen Pflanzen und die Baumwurzeln suchen sich ihren Weg zu den Nährstoffen.
Der Wind am 23.4. frischt auf, es hat fast 40 Knoten (70 km/h). Klingt zwar nicht viel aber der Atlantik wird dabei zum Naturschauspiel und das Meer schlägt imposante Wellen. Nix für uns Landratten…
Daher fühlen wir uns bei der Weinverkostung gleich wohler, wobei uns der Weiße halbwegs überzeugt, der Rote ist grausam =)
Am Fr. 23.4. wartet eine Küstenwanderung im Westen von Pico auf uns. Ausgangspunkt ist der Leuchtturm bei Ponta do Pargo
“So Kinder heute aber wirklich Welt erobern!”, über schroffes Vulkangestein geht es der Steilküste entlang, viel zu Klettern und der Wind bläst stark landeinwärts und spritzt uns regelmäßig nass
Imposante aufgebrochene Steinplatten, Plattentektonik zum Anfassen und noch viel besser zum “Drüberspringen”
Ohrenbetäubende Brandung, starker Wind, der einem beim Aufstehen ordentlich zum Wackeln bringt! Naturgewalt pur – ein Traum!!!
zurück geht es landeinwärts vorbei an Weiden, die hier künstlich mit Erde von der Nachbarinsel angelegt werden mussten. Viehwirtschaft sieht man hier zwar oft, ist aber erst seit dem EU Beitritt entstanden
Kitschbilder der Westküste
Whalewatching Hotspot in Lajes do Pico an der Südküste
Morgen So. 25.5. geht es mit der Fähre zurück nach Faial und dann weiter mit dem Flugzeug nach Sao Miguel, der größten Azoreninsel. Dort verbringen wir die restlichen Tage und treffen auch Oliver, auf den wir uns schon sehr freuen und der uns seine Azoren (www.hochundhinaus.com) zeigen wird.
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