Wir fahren mit der Fähre durch die Meerenge bei Messina von Sizilien auf das Festland. Schon die Römer dachten über eine Brücke zwischen Sizilien und dem Festland nach. Heute nach 2000 Jahren besteht diese immer noch nicht. Warum darf gerätselt werden. Vielfach wird das Erdbebengebiet als Vorwand genannt, aber es scheint scheinbar auch ein politisch-/wirtschaftlicher “Wille” zu fehlen. Nach der 20 minütigen Überfahrt fahren wir weiter nach Tropea, ein malerisch an der kalabrischen Küste gelegener Ort (an der “Fußspitze” des italienischen Stiefels).

Tropea ist bekannt für die roten Zwiebel sowie scharfen Parikaschoten, die in sogenannten “Bombas” als Sugo oder Bruschetta zum Verkauf angeboten werden.
Besonders schön ist allerdings die Lage. Der Strand und unser Stellplatz gleich neben einem Schloss am Fels.
Die Altstadt drohnt auf Klippen und ist per Stiegen zu erreichen.

Wir fahren nach 2 Nächten weiter Richtung Pompeji, wo es im August 79 n. Chr. zum schrecklichen Ausbruch des scheinbar gefährlichsten Vulkans der Welt, dem Vesuv kam. Der Vesuv dessen Magna zu den zähflussigen zählt, weil sie oberhalb abkühlt und somit ähnlich einem Gasdruck-Kochtopf enormen Druck aufbaut, der im Falle einer Eruption Energie frei werden lässt, die ein vielfaches von Atombomben entspricht. Über 30 km wurden Erde und Gestein in die Höhe geschleudert, bei der Abwärtsbewegung folgten zusätzlich Kräfte wie Blitze und Glutstürme, die ein Entkommen unmöglich machten. Man vermutet, dass fast 20.000 Menschen hier den Tod fanden, viele durch herabfallende Steine, heiße Asche oder durch den darauf folgenden 900-1100 Grad heißen Glut-Ascheregen gefolgt von einem Windsturm, der alles Leben verdampfen ließ. Wie uns unser Führer erklärte, konnte vieles, was zuvor unter Asche und Schlamm begraben wurde, später ab dem Ende 19 Jhdts. wieder ausgegraben werden. So bekommt man einen Einblick in die Lebensweise einer damals wohlhabenden Stadt, die binnen weniger Minuten zum Stillstand kam und die mehr als 2500 Jahre weit in die Antike zurück reicht.

Beginn der Tour in der Gladatoren Schule. Übrigens nahm 73 v. Chr. der Sklavenaufstand unter Spartacus Aufstand nicht weit von Pompeij bei Capua seinen Anfang. Über 2 Jahre lieferten sich Sklaven und Unterdrückte Kämpfe mit dem römischen Heer und fügten diesem empfindliche Niederlagen zu. Zu Beginn verschanzten sich Spartacus Truppen am Vesuv. Sein Ende fand er in der Nähe bei Messina und 6000 seiner Gefolgsleute wurden nach der Niederlage als Abschreckung enlang der Römerstraße Via Appia von Rom nach Capua gekreuzigt.
Theater, in dem Komödien aufgeführt wurden, die Oberklasse durfte dem Theater liegend folgen.
Theater für Musikaufführungen
Geschäftsstraße
Straße mit Steinen zum Überqueren, damit man nicht in den Kanal steigen mußte.
Stadthaus einer wohlhabenden Familie “Menander Haus”
Holz verbrannte/verkohlte durch den Vulkanausbruch. Mithilfe der Eisenfunde konnte allerdings ein Wagen, vor dem 2 Esel oder 2 Mulis gespannt wurden, rekonstruiert werden. Daneben Weinphiolen mit Spitzen, die für den sicheren Schiffstransport in den Sand des Laderaums von Schiffen gesteckt wurden. Der Hafen war zu dieser Zeit nur einige hundert Meter von der Stadtmauer entfernt. Nach dem Ausbruch wurde das Meer durch die 7-8 m hohen Niederschläge 1 km zurückgedrängt.
Funde von Plünderern, die versucht haben, gleich nach dem Unglück Wertgegenstände auszugraben. Ein Deckeneinsturz vergrub die Diebe über Jahrtausende.
Thermalbad im Haus
Atrium mit getrennten Schlafzimmer für Mann und Frau.
Gut erhaltene Deckengemälde, leider verblassen die Farben im UV-Licht.
Forum, dh. der “Hauptplatz”, an dem man sich traf. War Markt- und Kommunikationsplatz, hier fanden politische Reden, Diskurse usw. statt.
Im Hintergrund der 7 km entfernte Vesuv.
Jene Opfer, die nicht der Feuerwalze zum Opfer fielen, sondern zuvor von Asche-/Schlammregen begraben wurden, konnten zumindest ihre Form über 2 Jahrtausende in sich langsam bildenden Hohlräumen erhalten. Diese Hohlräume, in denen sich noch die Skelette befinden, werden mit flüssigem Gips ausgefüllt und somit die letzten tragischen Minuten der Menschen und sie selbst wieder sichtbar gemacht. Mittels DNA – Proben, lässt sich Geschlecht und das Alter ermitteln. Durch die Kleidung kann auf den sozialen Status geschlossen werden. Die durchschnittliche Lebenserwartung lag damals zw. 29 -39 Jahren. Dieser Mann wurde neben einem Fuhrwerk sitzend gefunden.
Ein Hund, der vergleblich versuchte, sich von der Kette loszureisen.
Insgesamt ein wirklich spannender Ort. Abgesehen von den vielen Geschichten, die hier sichtbar werden, stellen wir uns die Frage, wie es sich wohl anfühlt, wenn man weiß, dass man neben einem der gefährlichsten Vulkane der Welt leben muss. Wir beschließen darüber beim Fahren nachzudenken (nichts wie weg hier =)) und fahren weiter Richtung Rom.
admin Allgemein

2 Replies

  1. Ich denke gerne an den Besuch in Pompeji mit deiner Klasse! Und auch der Blick in den Krater des Vesuvs war ein tolles Erlebnis!
    Ich beneide euch um eure Freiheit, hier schnürt uns die Krise schon wieder sehr ein! Genießt eure Reise!!
    Lg
    Renate

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